Facebook ist für mich immer so ein bisschen meine Schwachstelle : Dean Winchester würde es wohl „Guilty Pleasure“ nennen. Ich logge mich ein und frage mich - basierend auf den Postings in meiner Timeline – warum ich den Schmu eigentlich noch habe. Abmelden will ich mich dann aber doch nicht.
Hier habe ich mich schonmal ordnungsgemäß über Personen aufgeregt, die wirklich ohne Sinn und Verstand alles posten ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Gestern morgen saß ich also mal wieder vor meinem Laptop und scrolle geistesabwesend die absolut spannenden Statusaktualisierungen durch (Ironie ist durchaus beabsichtigt). Ich schüttel den Kopf, stoße genervt die Luft aus und frage mich warum ich mir das eigentlich antue. Ich bin eben neugierig, trotzdem klicke ich einige Profile an und klicke aus Löschen.
Personen mit denen ich mal Blickkontakt hatte? RAUS! Personen mit denen ich drei Sätze gewechselt habe bei einer Party? RAUS! Personen, die mich aus Jux und Tollerei geaddet haben? RAUS!
Und trotzdem bleibe ich an einigen Profilen hängen und frage mich was bei manchen Leuten los ist. Nicht nur, dass ihr Profil so voll mit geklauten Bildern ist, dass es sicher 10.000€ Abmahngebühren wert wäre, sondern auch was sie von sich selber preis geben. Und genau jetzt kommt die Pointe. Ihr Profilbild ist eine Blume, optional ein Auto; die Angaben auf der Seite sind bevorzugt alle falsch angegeben (aber ich will nichts sagen, ich flunkere auch bei meinem Wohnort, man will ja nicht komplett transparent sein). In ihren Postings schreien sie nach Privatsphäre , Datenschutz und wie böse die neuen Facebook AGBs und die Berechtigungen der Messenger App sind. Alles in ihrem Profil schreit nach Anonymität, die ihnen absolut zustehen soll wie sie gerne mal rumposaunen.
Alles schön und gut, wenn zwischen diesen Nachrichten nicht eine Sache auftauchen würde: Babybilder in Massen. Nicht irgendein Kind, sondern das Eigene. Da ist das gesamte Aufwachsen des Kindes dokumentiert. Angefangen vom Ultraschalbild, über den ersten Zahn, zu den ersten Schritten. Es ist wirklich nicht mein Bier, ob man Bilder von seinem Nachwuchs online stellt. Aber die Ironie, dass man selber nach Datenschutz schreit, aber sein Kind auf dem eigenen öffentlichen Profil zur Schau stellt geht mir gegen den Strich. Am Besten versehen mit „Oh schaut mal meine süße „Insert Name here“ hat gerade das erste Mal Spagetti gegessen. Vielleicht steht euer Kind auch auf Privatsphäre?
Hier wird mit zweierlei Maß gemessen in meinen Augen. Klar will man seine Kinder beim Aufwachsen sehen und jeden Schritt dokumentieren, aber wäre das klassische Fotoalbum hier nicht besser, anstatt der eigenen Facebook Pinnwand. Sobald ich normalen denken könnte und meine Eltern hätten sich so verhalten, würde ich an die Decke gehen.
… But this is none of my business…



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6 Comments on "KW 11 | Du, deine Privatsphäre und dein Kind"
Facebook hat bei mir auch so eine Hassliebe … ausgemistet habe ich vor einiger Zeit auch wieder…Leute aus der Liste geschmissen, nur weil sie auf der selben Oberstufe wie ich waren. Sonst verbindet uns halt nüscht.
Leider kann das Fratzenbuch echt die Laune verderben, was ich schade finde. Außerdem kenne ich das Gefühl, dass es Leute gibt, die man einfach nicht löschen kann. Dafür haben Sie einfach zu viel Unterhaltungswert. 😛
Hin und wieder ein Bild vom Kind zu posten, finde ich nicht verwerflich. Aber man sollte drauf achten, dass es nicht “komisch” fotografiert ist, damit man anderen keine Vorlage liefert. Also nicht unbedingt Eis essend oder ähnlich. Auch nicht nackt oder halbnackt, das geht gar nicht. Und auch nicht ständig…
Außerdem sollte man sich vorher Gedanken darüber machen, wie man Posts so einstellen kann, dass eben nicht die halbe Welt daran teilhaben kann, sondern nur ein auserwählter Kreis. Aber das dürfte den meisten zu hoch oder schlichtweg nicht bekannt sein. In dem Fall sollte man es dann lieber lassen 😉
Liebe Grüße
Salvia von Liebstöckelschuh
Ohja, ich selbst poste zwar wirklich viel, meistens aber irgendwelche Sprüche die ich irgendwie passend finde oder Bilder meiner Katzen. Aber wenn ich dann ständig diese Bilder sehe wo der Babybauch wächst, das erste Lächeln des Kindes, das erste mal gepupst und bla, dann könnte ich auch kotzen. Ich muss ehrlich sein, sollte ich jemals schwanger werden und Kinder bekommen, dann würde ich zwar ab und zu ein Bild meines Kleinen in Facebook stellen, aber eben ohne Kopf. Sowas von wegen Outfit of the Day vllt. Aber mehr auch nicht. Ich finde es sehr gut wie z.B. die liebe Cornelia Dietrichs das macht. Sie hat Zwillinge bekommen und ist selbst Bloggerin, ich glaube du kennst sie bestimmt auch, sie postet oft Bilder über ihre Kids aber immer mit zensiertem Gesicht. Entweder ist da mal ein Bärchen drüber oder das Bild ist genau dort abgeschnitten wo der Kopf sein sollte. Das finde ich noch ok!
Liebe Grüße
Sarah
Wie RECHT du hast, klar wenn man Blog schreibt ist man auch in der Öffentlichkeit, aber so wehrlose Kinder, das geht gar nicht!
lg martina
http://m-iwear.blogspot.com
Ich bin froh, dass ich nicht mehr bei Facebook bin – man verpasst einfach wirklich nichts.
Das mit den Kindern finde ich auch schrecklich, eine Bekannte von mir hat ständig Bilder von ihrer kleinen Tochter gepostet aber dann auch noch beim Duschen oder so, also nackt und öffentlich sichtbar… habe ich dann gemeldet. Das arme Kind.
In so einen blöden Papierfotoalbum kann aber keiner dein hässliches dickes Kind liken D: Außerdem kostet das was!